Arthur Schopenhauer - Rationalist und Aufklärer? Ein Symposium zu Schopenhauers Werk und seiner fortdauernden Bedeutung Samstag, 8. Oktober 2016 in Nürnberg, Marmorsaal  
© Gesellschaft für kritische Philosophie/Humanistische Akademie Bayern 2016

Programm

Ablauf (Änderungen vorbehalten)

  Uhrzeit   Programmpunkt   10.00       Begrüßung   10.15       Dr. Martin Morgenstern (St. Wendel/Saar):                  Schopenhauers Werk und die Tradition der Aufklärung   11.00       Dr. Günter Gödde (Berlin):                  Das Unbewusste bei Schopenhauer, Nietzsche und Freud     11.45       Kaffeepause 1   12.00       Prof. Dr. Dieter Birnbacher (Düsseldorf):                  Schopenhauer als Vordenker der modernen Neurophilosophie   12.45       Mittagspause   14.15       Prof. Dr. Franz Wuketits (Wien):                  Schopenhauer – ein skurriler Vorreiter der Evolutionstheorie   15.00       Dr. Gerhard Engel (Hildesheim):                  Eine humanistische Sicht auf Arthur Schopenhauer   15.45       Kaffeepause 2   16.15       Prof. Dr. Matthias Koßler (Mainz):                  Zur Ethik Arthur Schopenhauers   17.00       Podiumsdiskussion mit den Referenten.                                                                  Moderation: Helmut Walther (GKPN) & Helmut Fink (HABy)   18.00       Ende der Veranstaltung Nach jedem Vortrag sowie im Rahmen der Podiumsdiskussion besteht für die Teilnehmenden Gelegenheit, Fragen zu stellen und Diskussionsbeiträge zu äußern. Programmgestaltung/Moderation: Dr. Frank Schulze & Helmut Fink

Themen

Schopenhauers Werk und die Tradition der Aufklärung Dr. Martin Morgenstern Die entscheidende Neuerung von Schopenhauers Metaphysik besteht darin, dass sie als Wesen oder Grund der Wirklichkeit nicht mehr ein vernünftiges Prinzip oder einen göttlichen Geist annimmt, sondern einen blinden, unvernünftigen Lebenswillen. Wegen dieser metaphysischen Konzeption gilt Schopenhauer häufig als Vertreter des philosophischen Irrationalismus. Doch diese Sicht ist zumindest einseitig. Denn Schopenhauer steht auch in der Tradition der Auf- klärung und vertritt eine rationale, an Erfahrung und Wissenschaft orientierte philosophische Grundhaltung, die auf Klarheit großen Wert legt. Wie Hume und Kant zieht er die Grenzen rationaler Erkenntnis und unterzieht die traditio- nelle, theologisierende Metaphysik einer grundlegenden Kritik. Auch seine pessimistische Willensmetaphysik hat eine aufklärerisch-kritische Funktion: Ausgehend von der Deutung der Vernunft als Instrument des triebhaften, un- bewussten Willens entwickelt Schopenhauer eine radikale Religionskritik und Entlarvungspsychologie. Durch die Offenlegung der aufklärerischen Wurzeln und Inhalte seines Werks soll Schopenhauer als „Rationalist des Irrationalen“ verdeutlicht werden, der dem Projekt der Aufklärung neue Impulse gegeben und der modernen Anthropologie und Tiefenpsychologie den Weg bereitet hat. Das Unbewusste bei Schopenhauer, Nietzsche und Freud Dr. Günter Gödde „Schopenhauer, als Psychologe des Willens“, schrieb Thomas Mann, „ist der Vater aller modernen Seelenkunde: von ihm geht, über den psychologischen Radikalismus Nietzsches eine gerade Linie zu Freud und denen, die seine Tiefenpsychologie ausbauten und auf die Geisteswissenschaften anwandten“. Diesen Weg wird der Vortrag nachzeichnen. Schopenhauer als Vordenker der modernen Neurophilosophie Prof. Dr. Dieter Birnbacher Viele der Konsequenzen, die zeitgenössische „Neurophilosophen“ aus dem gegenwärtigen Stand der Neurowissenschaften ziehen, sind bei Schopenhauer vorgeprägt. Das ist nicht überraschend angesichts der methodischen und sachlichen Gemeinsamkeiten zwischen Schopenhauers Anthropologie und der modernen Neurophilosophie: der Nähe von Schopenhauers Philosophie zur Empirie, der Schlüsselrolle des Gehirns als Substrat alles bewussten Erlebens, der kausalen Priorität der leiblichen Prozesse im Gefühlsleben und der überragenden Bedeutung unbewusster Faktoren bei der Motivation. In der Frage der Willensfreiheit erweist sich Schopenhauers vielschichtige Version des Determinismus möglicherweise sogar als adäquater als viele aktuelle von den Neurowissenschaften inspirierte Problemlösungsversuche. Schopenhauer – ein skurriler Vorreiter der Evolutionstheorie Prof. Dr. Franz Wuketits Man wird Schopenhauer nicht unbedingt in die Nähe des Evolutionsdenkens bringen wollen, zumal er keine eigene, in sich geschlossene Abhandlung über den Artenwandel vorgelegt hat. Aber in seinem Werk finden sich verstreut manche Passagen mit Aussagen, die sich im evolutionären Sinn deuten lassen. Dabei bezieht er sich wiederholt auf Lamarck. Im Geist seiner Zeit glaubte Schopenhauer an eine „Höherentwicklung“ der Organismen. Seine Evolutionsvorstellungen sind eingebettet in seine metaphysische Weltkonzeption und mögen aus heutiger Sicht etwas skurril erscheinen. Interessant und lesenswert sind sie aber allemal. So kann Schopenhauer mit Recht als ein Vorläufer der Evolutionstheorie angesehen werden. Eine humanistische Sicht auf Arthur Schopenhauer Dr. Gerhard Engel Wenn man unter dem Begriff „Humanismus“ eine Heuristik versteht, also eine systematisch angelegte „Findekunst“, die uns neue Perspektiven auf das Gewohnte eröffnet, dann kann man auch den „Pessimisten“ Schopenhauer immer noch mit großem Gewinn lesen. An zwei Beispielen soll die Frucht- barkeit seines Denkens demonstriert werden: Seine sozialphilosophischen Erörterungen zeigen, dass auch aus seiner Sicht so etwas wie gesellschaftlicher Fortschritt möglich ist. Und seine Metaphysik der Musik enthält hochinteres- sante Anknüpfungspunkte an modernes evolutionäres und physikalisches Denken. Mehr noch: Für Schopenhauer wäre eine detaillierte „Erklärung der Musik“ und eine „Erklärung der Welt in Begriffen“ strukturell und inhaltlich „gleichlautend“ - eine überraschende Hypothese, die gerade im Zeitalter mangelnder Kommunikation zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen unsere Aufmerksamkeit verdient. Zur Ethik Arthur Schopenhauers Prof. Dr. Matthias Koßler Schopenhauers Ethik ist unter dem Namen Mitleidsethik bekannt. Bei der Konzentration auf das Mitleid als moralische Triebfeder wird aber häufig vergessen, dass die Mitleidsethik in einen weiteren Ethikbegriff eingebunden ist, der die Lehre von der Bejahung und Verneinung des Willens zum Leben umfasst und von Schopenhauer sogar mit seiner Philosophie überhaupt gleichgesetzt wird. Die verschiedenen Begriffe von Ethik gilt es zunächst auseinanderzuhalten und dann im Verhältnis zueinander zu betrachten, um die Moralphilosophie Schopenhauers zu verstehen.

Tagungsort

Das Symposium findet in Nürnberg im Marmorsaal der „Nürnberger Akademie“ statt (siehe die oberen zwei Fotos links auf dieser Seite). Bei dem Gebäude handelt es sich um das ehemalige Gewerbemuseum, erbaut von 1892 von 1897 im Stil eines repräsentativen neobarocken Schlosses. Das Museum war zugleich handwerkliche und industrielle Bildungsstätte zur Vermittlung der künstleri- schen Gestaltung von Gebrauchsgegenständen - heute würde man „Design“ sagen.

Essen & Trinken

In den beiden Kaffeepausen (11.45 Uhr und 15.45 Uhr) wird es nicht nur Getränke, sondern auch süße und herzhafte Kleinigkeiten zu essen geben. Die Verpflegung in diesen beiden Pausen ist im Teilnahmebeitrag inbegriffen. Das Mittagessen (12.45-14.15 Uhr) nehmen die Teilnehmenden in einer Lokalität ihrer Wahl und auf eigene Kosten ein. Wir empfehlen zum einen den Marientorzwinger (ca. 3 Gehinuten vom Veranstaltungsort entfernt). Dort ist ein Kontingent an Tischen für die Symposiumsteilnehmer reserviert. Zudem besteht am Vormittag des Veranstaltungstages die Möglichkeit der Vorbestellung aus einer Speisenauswahl, damit es am Ende der Pause nicht knapp wird. Ebenfalls empfehlenswert ist zum anderen das Restaurant Heilig-Geist-Spital, das ca. 5 Gehminuten vom Tagungsort reizvoll in der Nürnberger Altstadt liegt (siehe die drei unteren Fotos links auf dieser Seite; Lageplan und Wegbeschrei- bung im PDF ebenda).
Der Weg vom Tagungslokal zum Heilig-Geist-Spital; hier der Lageplan mit Wegbeschreibung als PDF-Download.
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